7. Juni 2011 - 14:15 Uhr
“sowas wie stasi haben sie ja gar nicht erlebt!”. “ich habe geschichte studiert, ich muss das nicht erlebt haben.”
um was es geht: ich habe studiert, ich war ganz gut, ich bekomme keinen job. ich bewege meinen arsch, schreibe bewerbungen, bin nebenjobtechnisch gut ausgelastet, aber eben nichts in richtung vollzeit, bisher. aber das gesetz der großen zahlen wird auch irgendwann für mich arbeiten. soweit meine positive einstellung.
und dann gibt es da ein problem: ich bin leider arm und das jobben bringt nicht so viel ein, als dass ich miete zahlen könnte und krankenversicherung und essen. weswegen ich einer von millionen bin, die nebenbei staatliche unterstützung bekommen. und: ich wohne in einer wg. mit getrennten schlafzimmern. und getrennten kühlschrankinhalten. eben nicht: bedarfsgemeinschaft. und das seit einem jahr. und dann habe ich es gewagt mich nebenberuflich selbstständig zu machen.
es passierte also folgendes: ich gebe wie immer hübsch brav alle belege und einkommensnachweise ab, erkläre schriftlich, dass es keine bedarfsgemeinschaft gibt und ich auch aus der selbstständigkeit nichts eingenommen habe (ich habe ja noch nicht einmal eine steuernummer!) und dann ruft man mich an: um mir weiterhin unterstützung zu zahlen müpsse ich nachweisen, dass ich in keiner bedarfsgemeinschaft lebe. aha. denke ich und sage: naja, ich hab das ja schriftlich erklärt und das kann mein mitbewohner gerne auch noch tun. ach, das reicht nicht, es muss jemand kommen und sich die wohnung ansehen.
das ich das nicht völlig freiwillig über mich ergehen lasse ist sicherlich vorstellbar, also sage ich, dass ich gerne darauf verzichten würde fremde menschen in meine wohnung zu lassen.
einige geldlose wochen später, die miete ist nicht bezahlt und der hunger beginnt: man könne meinem antrag leider nicht nachkommen, da man mir unterstellt in einer bedarfsgemeinschaft zu leben müsse nun mein mitbewohner sein einkommen nachweisen, er wäre ja unterrhaltspflichtig, da man ja davon ausgehen müsse, ich lebe in einer bedarfsgemeinschaft.
hä?
am telefon erklärte man mir, dass, wenn ich niemanden in die wohnung lasse dem antrag nicht weiter nachgegangen wird, ich also kein geld bekomme, dagegen könne ich dann klagen, aber da ich in einer nachweispflicht bin, hätte das nicht viel sinn.
hä?
unschuldig bis zum beweis des gegenteils? naja, meint der mensch am telefon, das sei ich ja nun ein halbes jahr gewesen, aber nun muss ich eben dem system nachgeben und den außendienst in die wohnung lassen.
und da rutscht es mir raus. ich sage etwas von stasimethoden und derlei kram. von beraubung der grundrechte und dem ganzen tamtam, was man da so sagen kann, wenn man moralisch im recht ist, aber auf das unrechtssystem angewiesen ist, weil man weder obdachlos sein will, noch hungern mag.
man rennt gegen mauern. und energie, die eigentlich in “bitte gib mir nen job!”-bemühungen gehen sollte wird verschwendet und am ende muss ich wohl schlichtweg aufgeben.
ich möchte ja auch eigentlich nur sagen, dass ich durchaus verstehe, dass gelder erschlichen werden und das es öffentliche gelder sind und das das unanständig ist, wenn es passiert. aber das, was die paar arbeitslosen sich erschleichen, so sie es denn tun, kann gar nicht so viel sein, wie an anderer stelle für groben unfug herausgeworfen wird.
und letztlich: das, was wir aufgeben, indem wir solche system inhärenten ungerechtigkeiten zulassen, ist einfach nicht mit den paar euro aufzuwiegen, die wir ggf dadurch gewinnen.